Belgische Bierreise

Tag 1
Schon im ersten Teil unseres Biersommelier-Kurses bekamen wir Lust darauf noch weiter in die Thematik des Bieres einzutauchen. Dadurch entstand dann die Idee einen kleinen Urlaub mit einer Recherchereise zu verbinden. Unser Ziel: Belgien. Da ich vorher immer etwas Abstand von belgischen Bieren genommen hatte, erschien dieses Ziel ideal um unseren Bierhorizont zu erweitern. Nun wo ich weiß wie man den metallischen 'Fehlgeschmack' bei Bieren umgehen kann und man neben diesem Geschmack auch so viele andere Geschmacksvielfalten schmecken kann, bin ich begeistert. 
Unser erster Halt für eine Nacht ist in Antwerpen bevor es nach Brügge, unserem eigentlichen Ziel, weiter geht. Hier in Antwerpen hat es uns das Cafe Kulminator angetan. Erster Eindruck: Da hat jemand seine persönliche Stube für die Öffentlichkeit geöffnet. Definitiv ein Bierliebhaber. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Am Tisch sitzt zum Beispiel der 80-jährige Besitzer hinter einem Stapel verstaubter Zeitungen, alter Bücher und Magazine. Überall hängen in die Jahre gekommene und neue Schilder und Bilder. Auch der deutsche Hinweis "Das Besteigen der Tische ist untersagt. Für Unfälle wird nicht gehaftet." weist auf das ungefähre Alter dieser Bar hin. Man fühlt sich gerade wegen dieser kleinen, zusammengewürfelten Einrichtung sofort wohl und nimmt mit anderen Bierbegeisterten Platz an einem Tisch. Dann wird die "Bierbibel" von einem Gast zum nächsten gereicht. Die Bierbibel umfasst etwa 900 Biere sortiert nach Stil und Jahrgang. Zusätzlich gibt es eine handgeschriebene Tafel mit den Bieren vom Hahn (Van 't Vat). Man braucht schon einen Moment um sich für sein erstes Bier zu entscheiden aber man nimmt sich gerne die Zeit sich durch die zahlreichen Seiten zu blättern. Natürlich kann man sich auch etwas von Dirk und Leentje den beiden Besitzern der Bar empfehlen lassen. Unsere ersten Biere, ein Rodenbach Vintage 2014 und Buffalo Grand Cru (Stout) kamen vom Hahn und waren schon richtig gut. Besonders das Rodenbach Vintage hat es uns angetan und noch etwas weiter auf der Reise begleitet. Wie wir an unserem letzten Tag erfahren haben gibt es dieses für gewöhnlich wohl nicht vom Hahn aber dazu später mehr. Unsere nächsten Runden bestanden aus einem De Koninck APA, Bush de Noël / Scaldis Noël 2013 und einem Prior 8. Als Abschluss des abends bekamen wir noch etwas ganz besonderes: ein Camebell's Gold Label – Very strong, fine, malt beer aus dem Jahr 1977. Schon alleine an der Flasche konnte man erkennen das dieses Bier schon lange Zeit gelagert wurde, das Glas war fast vollkommen mit altem Staub bedeckt und auch das Etikett hatte in all den Jahren schon hier und da etwas gelitten. Man traute sich kaum diesen kleinen Schatz zu öffnen jedoch war der Inhalt es auch wirklich Wert. Da soll noch jemand sagen Bier würde mit der Zeit schlecht werden! Leider konnten wir nicht herausfinden ob diese Brauerei noch immer Bier herstellt, wir schätzen das es wohl eine der letzten Flaschen dieser Art war.
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Tag 2
Voller Elan ging es am nächsten Tag für uns weiter Richtung Brügge. Im Ort angekommen trieb uns der Hunger und Bierdurst in das erstbeste Restaurant. Die Bierauswahl in der Brasserie Uilenspiegel war schon gleich vielversprechend. Auf der Karte listeten sich unter anderem Biere von Affligem, Paljas, Brugse und Duvel. Für uns gab es ein Uilenspiegel IPA mit 9,00% und ein Affligem Blond mit 6,80%. Beides sehr gute Biere und passend zum leckerem Essen. Nach einer kurzen Verschnaufpause haben wir uns auf den Weg gemacht die Ortschaft zu erkunden, natürlich auf der Suche nach noch mehr gutem Bier. Doch vorher kamen wir erst einmal am Beer Wall Shop vorbei. Hier war sofort klar: in Brügge brauch man nicht lange suchen um sein Lieblingsbier zu finden! Gleich beim betreten des Ladens wird man mit der Vielzahl an belgischen Biersorten überhäuft welche sich in den großen Regalen die Wände entlang reihen. Eine kleine Wendeltreppe führt einen in den Keller wo sich weiter Bierregal an Bierregal reiht. Auch gibt es eine kleine Auswahl an Bieren mit passendem Käse dazu. Wer könnte dazu schon nein sagen? Alles im allem ein sehr schön gemachter Beer-Shop welcher sich natürlich sehr auf den Tourismus eingestellt hat.
Jetzt war es nun wirklich Zeit für ein erfrischendes Bier. Da kam uns die Brauerei Bourgogne des Flandres gerade richtig und wir hatten Glück noch kurz vor Barschluss dort anzukommen. Weil es mit dem entscheiden so eine Sache ist haben wir uns gleich einmal ein Tasting-Brett der Brauerei vorgenommen, dazu gab es leckere Käsewürfel. Das Tasting-Brett umfasste insgesamt sechs Biere: angefangen beim Strawberry Lambicus über Bourgogne des Flandres Blond bis zu den Hausbieren Bruinen OS und Bourgogne des Flandres Braun vom Hahn. Sehr begeistert waren wir hier vom Bruinen OS welches wir gerne mit nach Deutschland gebracht hätten, leider gab es dieses noch nicht in Flaschen abgefüllt. 
Zum Ende des abends und ersten Tages in Brügge haben wir es uns in der Bierbrasserie Cambrinus gemütlich gemacht. Die Brasserie war gut besucht und daher nahmen wir direkt am Tresen platz, dies war sowieso sehr passend da wir ja zum Bier trinken dort waren. Auf der umfassenden Bierkarte die etwa 400 Biere umfasste fanden wir dann ein Tripel Karmeliet und ein Delirium Red, beides sogar serviert in den dazu gehörigen Gläsern! Außerdem bestellten wir uns ein Fort Lapin Quadrupel 10 welches auch direkt in Brügge gebraut wird. Zum Schokoladen-Nachtisch gab es dann noch auf Empfehlung ein Kriek Boon, ein fruchtiges Kirschbier welches perfekt mit der dunklen Schokolade harmonierte. Damit ließen wird dann unseren ersten Tag in Brügge ausklingen.

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Tag 3
Den zweiten Tag in Brügge begannen wir mit einer kleinen, touristischen Bootstour um uns einen besseren Eindruck der Umgebung machen zu können. Dabei erfuhren wir viele interessante Einzelheiten über die Stadt und kamen auch schon einmal an der Brauerei De Halve Maan vorbei die gleich unser nächstes Ziel wurde. De Halve Maan ist eine Familienbrauerei die bereits seit 1856 existiert und jetzt in der bereits sechsten Generation geführt wird. Diese Tatsache machte uns schon sehr gespannt auf das Biererlebnis dort.
In der Brauerei angekommen lud schon alleine der Hof bei schönem Wetter zum Biertrinken ein. Die meisten der Tische und Bänke die dort standen waren gut besetzt und dazu auch die kleine Bar die draußen vor der Treppe des Eingangs stand. 
Zum Mittagessen gab es für uns also wieder mal ein kühles Bier. Wir bekamen ein Straffe Hendrik - Bruges Tripel Bier Wild und ein Brugse Zot Blonde. Bevor es weiter ging auf unserer Biertour gönnten wir uns auch noch ein Brugse Zot Dubbel. Wenn man schon einmal dort ist... Nächster Stop war bei uns dann die Bar t'Brugsch Bieratelier welche wir uns im Vorfeld durch gute Bewertungen heraus geguckt hatten. Ein schönes kleines Bierlokal mit ulkiger Einrichtung aus vielen Notizen, Geldscheinen und Unterwäsche früherer Besucher. Die tolle Bedienung Rafael empfahl uns ein Lupulus Hopera und ein Brux Tripel, außerdem bestellten wir uns noch ein Bourgogne des Flandres welches wir schon am Vortag probiert hatten. Nach dieser schönen Bierrunde in der netten Bar begaben wir uns auf die Suche nach der geheimnisvollen Bar De Garre. Die Bar war wirklich gut versteckt und obwohl wir wussten das es so ist, sind auch wir erst einmal dadran vorbei gelaufen bevor wir das Außenschild entdeckt hatten. Entlang von Backsteinhäusern ging es dann in die kleine Gasse die bis zu den Stufen der Bar führte. Die Aufregung war groß! Drinnen angekommen fühlte man sich sofort wohl. Die Bar hatte trotz bester Innenstadtlage nicht den Eindruck einer Touristenbar sondern sah eher nach dem kleinen, rustikalen Stammlokal von nebenan aus, so wirkten auch die anwesenden Gäste. Natürlich machten wir die Ausnahme da wir gleich anfingen kleine Videomitschnitte mit unserem Handy zu drehen. Da leider nur kleine Häppchen angeboten wurden konnten wir lediglich für ein Bier bleiben, der Hunger war dort schon wirklich groß. Also bestellten wir ein Tripel Van De Garre, ein Belgian Tripel welches uns sehr gut gefallen hat und ein Buffalo Grand Cru (Stout) welches wir bereits aus Antwerpen kannten. Zum Abendessen gab es ein XXX Rye Quad Reserva Bourbon Barrel Aged. Leider ist das Lokal in dem wir aßen so gar nicht erwähnenswert weshalb wir es hier auch einfach nicht erwähnen. Da die Stimmung nach dem so bescheidenen Essen etwas gesunken war entschieden wir uns noch für einen Abendtrunk in der Bar t'Brugs Beertje halt zu machen. Diese Bar war seine guten Bewertungen auch wirklich wieder Wert und hob mit einem Rodenbach Caractere Rouge und einem Femme Fatale sofort unsere Laune. Damit war der Abend doch noch gerettet.